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Eine kleine Auffrischung

Beim Pressen von Schallplatten wird die Tonrille nach dem guten alten Waffeleisen-Prinzip in das weiche Vinyl gedrückt. Hierfür werden Negative von A- und B-Seite als “Stempel” in die Presse eingespannt.

Um diese sogenannten Pressmatritzen zu erstellen, bedarf es zunächst eines positiven Abbildes der jeweiligen Seite (ein Metallmaster, auch Mutter genannt), das es im weiteren Verlauf der Herstellung zu vervielfältigen gilt. Dieses Master wird mithilfe einer speziellen Schneidemaschine in einen Rohling geschnitten. Dabei wird ein Schneidstichel ähnlich der Bewegung einer Lautsprechermembran in Schwingung versetzt, wodurch das entsprechende Audiosignal in die Oberfläche des Rohlings geschnitten wird. In Bezug auf das Oberflächenmaterial des Rohlings unterscheidet man bei den Schneideverfahren zwischen Lackschnitt und Direct Metal Mastering (kurz DMM).

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Lackschnitt

Der Lackschnitt stellt die ursprüngliche Variante der Überspieltechnik dar. Hierbei schneidet ein beheizter Schneidstichel das Tonmaterial in eine Lackfolie. Das Oberflächenmaterial dieser Folien hat sich im Laufe der Jahre immer mal wieder verändert, bis sich schließlich ein Lackgemisch auf Nitrozellulose-Basis etabliert hat, welches bis heute Verwendung findet.

Nach dem Schneidevorgang wird die beschriebene Lackfolie versilbert, damit sie leitfähig ist. Anschließend wird im galvanischen Bad ein negatives Abbild aus Kupfer oder Nickel hergestellt, der sogenannte “Vater”. Durch eine weitere galvanische Beschichtung wird aus diesem die “Mutter” (positiv) bzw. das Metallmaster hergestellt. Die Mutter kann nun zur Qualitätskontrolle auf dem Plattenspieler abgespielt werden. Theoretisch wäre dies auch mit dem unbehandelten Lackschnitt möglich, allerdings würde das Abtasten der Tonnadel den weichen Lackschnitt beschädigen. Im weiteren Herstellungsprozess können aus der Mutter beliebig viele Pressmatrizen (Söhne) hergestellt werden.

Direct Metal Mastering (DMM)

Das DMM-Schneideverfahren wurde 1981 von der Firma Teldec (Telefunken-Decca) in Kooperation mit Georg Neumann als Weiterentwicklung des Lackschnitts eingeführt. Dabei wird das Tonmaterial mittels eines diamantbesetzten Schneidstichels in eine mit Kupfer beschichtete Edelstahlplatte geschnitten. Somit wird direkt ein Metallmaster hergestellt, aus dem die Pressmatrizen hergestellt werden können. Neben Kupfer hat sich auch Cadmium als ein geeignetes Oberflächenmaterial herausgestellt, allerdings verhält es sich weniger stabil im anschließenden galvanischen Prozess.

Bereits in den 70er Jahren hatte Teldec ein ähnliches Verfahren entwickelt, die sogenannte Bildplattenaufzeichnung. Die dabei hergestellten TEDs (Television Electronic Disc) dienten der Aufzeichnung von Bild- bzw. Videomaterial, was ebenfalls durch einen Kupferschnitt realisiert wurde. Zwar war das Interesse an TEDs gering bis nonexistent, für Teldec lieferte die Technik jedoch die Grundlage bei der Entwicklung des DMM-Schnitts.

Die mitunter größte Herausforderung dabei war, dass im DMM-Schneideverfahren eine deutlich höhere Kraft aufgebracht werden musste als bisher üblich. Während beim Lackschnitt das Material der Folien deutlich weicher ist, wird bei der Bildplattenaufzeichnung eine weniger tiefe Rille geschnitten. Um dem zu begegnen wird der Schneidstichel beim DMM-Schnitt in Ultraschallschwingungen versetzt, um so den Schneidwiderstand zu verringern.

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Als Anreiz überhaupt über ein neues Schneideverfahren nachzudenken dienten die unvermeidbaren Probleme im Verfahren des Lackschnitts, die sich auch in späteren Generationen der Schneidemaschinen nicht beheben liesen. Diese Probleme machten sich im Allgemeinen im Grundrauschen des Tonträgers sowie impulshaltigen Störungen (Knistern und Knacken) bemerkbar. Ein weiteres Problem waren Rückfederungsverformungen, die zum einen Verzerrungen, zum anderen Vor- und Nachechos besonders im hochfrequenten Bereich zur Folge hatten. Diese lassen sich zwar vermeiden, allerdings geht das auf Kosten der Spielzeit sowie der Linearität bei hohen Frequenzen. Ursache für diese Qualitätsverluste sind die Materialeigenschaften der Lackfolien sowie die zusätzlichen Schritte in der Galvanik. Weitere Informationen bietet diese Original TELDEC Infobroschüre.

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DMM vs. Lackschnitt

Und was ist nun besser, DMM oder Lackschnitt?

Wie so oft in der Musik ist es der falsche Ansatz über besser und schlechter zu diskutieren. Denn was für den Techniker Fehler bei der Herstellung sind, beschreibt der Nostalgiker als das unverzichtbare Vinylknistern und die besondere Wärme im Ton von Schallplatten. Im Endeffekt wurden durch das DMM-Verfahren Fehler des Lackschneideverfahrens behoben und somit eine nahezu neutrale Überspieltechnik geschaffen.